Jubiläumsjahr 2008
150 Jahre Naturwissenschaftlicher Verein zu Krefeld e.V.

 

 

„Vom Naturwissenschaftlichen Kränzchen zum
Naturwissenschaftlichen Verein
zu Krefeld e.V. (1.3.1858 – 2008)“

Impressionen der

Festversammlung

im Rittersaal der Burg Linn

am 01. März 2008

Einladung der Stadt Krefeld und des Naturwissenschaftlichen Verein

Dr. Ernst Nauck

Gründungsvorsitzender des Naturwissenschaftlichen Kränzchens

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Prof. Dr. Wulf Habrich

"150 Jahre Naturwissenschaftlicher Verein zu Krefeld"

Ansprache des Vorsitzenden Prof. Dr. Wulf Habrich

 

Ansprache Prof. Dr. Wulf Habrich:

"Ich danke Herrn Oberbürgermeister Kathstede und Frau Fasse für die freundlichen Worte, mit denen sie die Arbeit und die Aufgaben des NWV gewürdigt haben. Es wird deutlich, dass die traditionellen Schwerpunkte des Vereins heute eine überraschend zukunftsorientierte Bedeutung gewonnen haben und für unsere Stadt Krefeld nach wie vor wichtig sind, aber auch für die großen Herausforderungen der Gegenwart, also u. a. für den Natur- und Umweltschutz und für Bildungs- und Entwicklungsprozesse.

 1.    Historischer Überblick

 In wenigen Bemerkungen will ich auf die Geschichte des NWV in den letzten 150 Jahren und auf seinen Standort in der Gegenwart eingehen.

 a) Geistesgeschichtliche Einordnung

Der Gründungsvater des Vereins Dr. Ernst Nauck, war zugleich Direktor der Provincial-Gewerbeschule, des heutigen Fichte-Gymnasiums. Beide Institutionen wollen seit 150 Jahren Menschen für die Welt der Physik, Biologie, Chemie, Astronomie, Meteorologie und Geowissenschaften begeistern, informieren und zur Auseinandersetzung anregen  und zugleich mögliche Anwendungen in der Alltagswelt erkennen und erproben.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam es zu einem Aufschwung der modernen Naturwissenschaften. „Den Eindruck, den diese Erkenntnisse auf die damalige Welt gemacht haben, kann man sich heute kaum noch vorstellen.“ Die Gesellschaft jener Zeit stand noch unter dem Einfluss Goethes und Alexander von Humboldts. Neben der Bibel waren Humboldts Kosmos-Vorlesungen, in denen dieser 1827 eine geniale Synthese einer physischen Weltbeschreibung wagte, weltweite Bestseller. 1859 erschien Darwins berühmtes Werk „Über die Entstehung der Arten“. Etwa zeitgleich entdeckten Kirchhoff und Bunsen die Spektralanalyse.

 b) Die Gründungsphase

In diesem geistesgeschichtlichen und gesellschaftlichen Umfeld kam es zur Gründung naturwissenschaftlicher Vereine in Deutschland etwa ab 1830. Zu den ältesten Vereinen zählt der „Naturwissenschaftliche Kränzchen“, das von Dr. Ernst Nauck am 1. März 1858 zusammen mit 14 Ärzten, Apothekern, Chemikern, Kaufleuten, Fabrikanten und Lehrern ins Leben gerufen wurde. Alle 14 Tage hielten Mitglieder Vorträge über aktuelle naturwissenschaftliche Themen. Ab 1861 firmierte der Verein als „Naturwissenschaftlicher Verein zu Crefeld“, verpflichtete auch auswärtige Redner und öffnete sich der Öffentlichkeit.

Seit dieser Zeit, nur mit einer kurzen Unterbrechung nach dem 2. Weltkrieg bis 1948, vermittelt der Verein Kenntnisse über alle Fragen der Naturwissenschaften und hilft, Natur, überwiegend die des Niederrheins, zu entdecken, zu erleben und zu begreifen. Von Anfang an hat er sich auch in seinen Vorträgen, Seminaren und Exkursionen auch den innovativen Techniken und Produkten gewidmet, die als Ergebnis naturwissenschaftlicher Forschungen entwickelt wurden. Themen zum Natur- und Naturdenkmalschutz des Niederrheins gehören zur Arbeit des Vereins seit Gründung des „Landschaftskommitees für Denkmalpflege am linken Niederrhein“ im Jahr 1912, das auf Initiative des Naturwissenschaftlichen Vereins zustande gekommen war.

Der Verein hat die Gründung des Naturwissenschaftlichen Museums tatkräftig unterstützt und alle Mitglieder der Limnologischen Arbeitsgemeinschaft unter Dr. Hans Schmidt waren zugleich Mitglieder des Naturwissenschaftlichen Vereins.

Bekannte Krefelder haben das Profil des Vereins geprägt und ihn weit über Krefeld hinaus bekannt gemacht, u. a. Hans Höppner, der „Florist des Niederrheins“, Prof. Dr. Albert Steeger, Lehrer, Naturschutzkommissar, Geologe, Archäologe, umfassend gebildeter Heimatforscher und Museumsdirektor u.a. auch des Museums Burg Linn, Theo Schreurs, der Ornithologe, Dr. Hans Wilhelm Quitzow und Ernst Schraetz als Verfasser der Krefelder Naturpfade, Herbert Casemir, berühmter Spinnenforscher, die Limnologen Dr. Hans Schmidt und Prof. Dr. Günther Friedrich, der Pilzforscher Prof. Dr. Lelley, Prof. Dr. Karl Thome und Prof. Dr. Josef Klostermann als Quartärforscher, um nur einige Namen zu nennen.

 c) Die Geschichte des Vereins in der Nachkriegszeit

Zur Geschichte des Vereins in der Nachkriegszeit und den Aufgaben in der Gegenwart sollen nur einige Höhepunkte genannt werden.

1948 konnte der Verein unter schwierigen Bedingungen seine Arbeit wieder aufnehmen, nachdem u.a. Dr. Artur Ochs als Vorsitzender, Hans Höppner und Dr. Albert Steeger in bewundertswerter Weise den Verein bis zum Kriegsende aufrechtgehalten hatten.

Schon ein halbes Jahr nach dem Neubeginn  konnte das 90. Stiftungsfest mit einem Vortrag von Prof. Konen gefeiert werden, der sich als Honorar einige Liter Benzin erbat, so dass er mit dem Auto anreisen konnte.

1949 gab es schon wieder 194 Mitglieder, der Verein wurde von Dr. Jockel, dem Direktor der Fichte-Schule geleitet, ab 1949 von OStR Alfred Kreuels und ab 1967 von Dr. Ulrich Rein. 1958 blickte der Verein auf 100 Jahre erfolgreicher Arbeit mit 1320 Vorträgen und über 200 Exkursionen zurück.

Von 1960 bis 1974 erlebte der Verein eine tiefe Krise. Er überstand sie aber und erlebte unter der Leitung von Dr. Hans Wilhelm Quitzow seit 1974 einen Wiederaufschwung. Unter der Ägide unseres heutigen Ehrenvorsitzenden erschien ab 1986 die Publikationsreihe „Natur am Niederrhein. Neue Folge“, in der die Kontinuität des Vereins deutlich wird, der Niederrhein aus der Sicht verschiedener Disziplinen beleuchtet und untersucht wird und in der die alten Schwerpunkte Naturschutz und Naturdenkmalpflege als Aufgabe der Moderne ein Forum gefunden haben. Ich denke etwa an die Beiträge der Entomologen zum Naturschutzgebiet „Die Spey“, an die der Pilzforscher zum „Brachter Wald“, die Arbeiten zur Quartärforschung und Klimaentwicklung, die zur Limnologie und Gewässerschutz, zur Fauna und Flora oder an unseren bedeutenden Sammelband zum Raum Maas-Schwalm-Nette.

 d) Bemerkungen zur Zukunft des Vereins

Im Sinn unseres Ehrenvorsitzenden leite ich den Verein mit Hilfe unseres Beirates und unterstützt von Anregungen zahlreicher Mitglieder.  

Zum Schluss will ich noch auf einige Aspekte unseres Angebotes und der Vereinsarbeit eingehen.

Es geht uns ja um eine lebendige Vermittlung von neuen Ansätzen in Forschung und Technik, also auch um Aspekte unseres Alltagslebens, mit allen Potentialen, aber auch den Gefährdungen. 

In diesem Sinne begegnet der Zuhörer in unseren Veranstaltungen häufig den Forschern selbst, die solche innovativen Ideen  entwickelt haben und kann mit ihnen in einen Dialog eintreten. Dieses Forum, Ergebnis einer langen, äußerst fruchtbaren Zusammenarbeit mit der VHS Krefeld, bietet eine besondere Chance der Begegnung.

Wir sind stolz, dass so viele Mitglieder dem Verein seit mehr als 25 Jahre angehören. Bei Frau Hildegard Schumacher sind es sagenhafte 60 Jahre, bei Dr. Ulrich Rein 55 Jahre und bei Wolfgang Gabbert, einem unserer früheren Schatzmeister, auch schon 51 Jahre. 

Die lange Schar treuer Freunde des Vereins macht aber zugleich deutlich, dass wir  gerade an junge Menschen ihnen unsere Begeisterung für Natur und Naturwissenschaften weiterzureichen müssen.  

Mit dieser Aufgabe haben wir schon begonnen, insbesondere durch eine Zusammenarbeit mit „Jugend forscht“. Wir haben Preisträgern ein Forum geboten in Vorträgen und einer Ausstellung. Eine zweite Ausstellung in der VHS planen wir für den Herbst. 

In unserer Festschrift finden sie Beiträge zum Wettbewerb „Jugend forscht“, zum Umweltzentrum Hülser Bruch und zum Botanischen Garten. Sie alle betreiben eine breite und erfolgreiche Bildungsarbeit.  Wir werden in diesem Jahr Kooperationen mit Schulen anbahnen, u. a. mit dem Fichte-Gymnasium.

 2.   Dank an Förderer

Mein großer Dank gilt den Persönlichkeiten, die unsere Aktivitäten im Jubiläumsjahr so großzügig gefördert haben. Ich danke den Mitgliedern des Vereins, den Unternehmern aus Krefeld und vom Niederrhein, der Nordrhein-Westfalen-Stiftung, also besonders Ihnen, Herrn Kollege Schumacher als Vize-Präsidenten dieser Stiftung und dem Landschaftsverband Rheinland. Nicht zuletzt danken wir den Stadtwerken Krefeld und der Sparkasse Krefeld und der Stadt selbst für ihre Unterstützung.

Mein persönlicher Dank gilt aber Ihnen, Herr Oberbürgermeister Kathstede. Sie haben unsere Aktivitäten für das Jubiläumsjahr von Anfang an gefördert. Es war dem Verein und mir eine große Ehre, dass wir gemeinsam diese Veranstaltung getragen haben. Ich hoffe auf eine weitere blühende Zusammenarbeit mit der Stadt und zum Wohl der Stadt.

Die Durchführung dieser Tagung verdanken wir Frau Sabine Hansen von der Stadt Krefeld. Ich bin Ihr sehr dankbar für die geduldige und überaus freundliche Zusammenarbeit."

 v.l.n.r.: Prof. Dr. Josef Klostermann, Prof. Dr. Wulf Habrich, Oberbürgermeister Gregor Kathstede

v.l.n.r.: Prof. Dr. Josef Klostermann, Prof. Dr. Wulf Habrich,
Oberbürgermeister Gregor Kathstede

Oberbürgermeister Gregor Kathstede

Marie-Luise Fasse, MdL

Prof. Dr. Wolfgang Schumacher

OB Gregor Kathstede

Marie-Luise Fasse, MdL

Prof. Dr. Wolfgang Schumacher

v.l.n.r.: Stefan Kronsbein, Peter Kaiser (MdL), Winfried Schittges (MdL), Ehepaar Schumacher

v.l.n.r.: Stefan Kronsbein, Peter Kaiser (MdL), Winfried Schittges (MdL), Ehepaar Schumacher

v.l.n.r.: Stefan Kronsbein, Peter Kaiser (MdL), Winfried Schittges (MdL)

v.l.n.r.: Stefan Kronsbein, Peter Kaiser (MdL), Winfried Schittges (MdL)

Yoriko Shibata (Flügel) und Matthias Nikulla (Querflöte)

Yoriko Shibata (Flügel) und Matthias Nikulla (Querflöte)


Pressestimmen

Westdeutsche Zeitung

vom 03. März 2008
(Ausgabe Krefeld)

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Rheinische Post

vom 03. März 2008
(Ausgabe Krefeld)

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